50 Jahre Städtische Werke Nürnberg

 
Nürnberg feierte am 11. Dezember 2009 im Nicolaus Copernicus Planetarium das 50-jährige Bestehen der Städtische Werke Nürnberg GmbH (StWN) Festredner waren der Aufsichtsratvorsitzende der StWN, Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, Herbert Dombrowksy, Vorsitzender der Geschäftsführung von StWN, und Professor Dr. Rudolf Hickel von der Universität Bremen.


Einstimmiger Stadtratsbeschluss für mehr Wirtschaftlichkeit

Im Dezember 1958 entschied der damalige Nürnberger Stadtrat einstimmig, die Städtischen Werke Nürnberg in eine GmbH umzugründen. Rückwirkend zum
1. Januar 1959 wurde die neue Gesellschaft am 28. Dezember 1959 in das Handelsregister eingetragen, ebenso wie die beiden damaligen StWN-Tochterunternehmen, EWAG Energie- und Wasserversorgung AG und VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg. Mit dieser Umgründung bewiesen die Stadtväter Weitblick und kreierten ein Modell, das bis heute Bestand hat.

Bis in die 1930er Jahre, waren die Energie- und Wasserversorgung sowie der öffentliche Personennahverkehr in Nürnberg als Regiebetriebe ein nichtselbständiger Teil der Stadtverwaltung. 1934 wurden die beiden Betriebe erstmals zu den Städtischen Werken Nürnberg zusammengefasst und schließlich 1938 in ein Eigenbetriebsmodell umstrukturiert, was sie erstmals unabhängig vom Haushaltsplan der Stadt machte.

Jedoch erst die Umgründung im Jahre 1959 in Eigengesellschaften stattete die Städtischen Werke und ihre beiden Töchter VAG und EWAG mit eigener Rechts- und Geschäftsfähigkeit aus. Ziel der Umstrukturierung waren raschere Entscheidungsprozesse in den Unternehmen und mehr Wirtschaftlichkeit.

Um steuerliche Vorteile nutzen zu können, wurden die Städtischen Werke als Holding eingerichtet. Dies bedeutete, dass EWAG, VAG und StWN gesellschaftsrechtlich zwar selbständig – finanziell, wirtschaftlich und organisatorisch jedoch untereinander verbunden waren. Gewinne und Verluste der beiden Aktiengesellschaften wurden an die StWN übertragen und von dieser ausgeglichen. Dieses Konzept erlangte als „Nürnberger Modell“ bundesweite Bekanntheit und wurde von vielen Kommunen teilweise oder ganz übernommen. Es hat sich bis heute bewährt.

Sitz der Städtischen Werke Nürnberg ist das 1953 fertig gestellte Hochhaus am Plärrer, das damals als höchstes Hochhaus Bayerns Symbol für den wirtschaftlichen Wiederaufbau in Nürnberg war.


50 Jahre Daseinsvorsorge und Wirtschaftlichkeit

Standen die Nachkriegsjahre ganz im Zuge des Wiederaufbaus, so ging es später darum, die stetig wachsende Nachfrage nach Infrastruktur zu befriedigen und dabei Sicherheit und Zuverlässigkeit zu bieten. Spätestens in den 1980ern rückten dann stärker Service und Umweltverträglichkeit in den Vordergrund. Heute wie vor fünfzig Jahren ist es Anspruch der StWN und ihrer Unternehmenstöchter, hohe Qualität zu wettbewerbsfähigen Preisen zu bieten. Von Anfang an waren die Städtischen Werke, EWAG und VAG über die Grenzen Nürnbergs hinaus tätig: Wasserlieferverträge mit Erlangen, Gaslieferungen in weite Teile Mittelfrankens oder die Straßenbahn- und spätere U-Bahn-Verbindung nach Fürth sind nur Beispiele dafür.

Die Verkehrstochter VAG kooperiert auf der Suche nach technischer Optimierung eng mit der Industrie. Beispielsweise testete und erwarb sie in den 1992er Jahren den deutschlandweit ersten erdgasbetriebenen Linienbus und erprobte Busse mit Brennstoffzellen- und jüngst mit Hybridtechnik. Mit dem Ausbau der U2 bis zum Flughafen im Jahre 1999 war Nürnberg die erste deutsche Stadt mit einer direkten U-Bahn-Linie zum Flughafen. 2008 nahm die VAG die in Deutschland erste vollautomatische U-Bahn in Betrieb und erregte mit der weltweit ersten konventionellen U-Bahn, die bei laufendem Betrieb auf Automatik umgestellt wird, internationales Aufsehen. Ebenfalls ein Novum war der Mischbetrieb mit konventionellen und automatischen Fahrzeugen auf einer Linie.

Während der vergangenen 50 Jahre ist die Entwicklung der VAG stark geprägt durch das wachsende Bedürfnis nach Mobilität. Mobilität ist einer der prägenden Standortfaktoren für die Entwicklung der Stadt. Mit der Nachfrage wächst das Netz. Immer häufiger kommen regionale Aspekte dazu. Die Zahl der Ein- und Auspendler steigt und somit die Anforderungen an den öffentlichen Personennahverkehr. Seit der Einführung des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg GmbH (VGN) im Jahre 1987 werden den Pendlern ein einheitlicher Tarif, ein Fahrschein für alle Verkehrsmittel und ein gemeinsamer Fahrplan geboten. 2008 verzeichnete der VGN – größter Gesellschafter ist die VAG – mit fast 204 Millionen Fahrten einen Fahrgastrekord. Auch die VAG selbst kann jährliche auf stetig steigende Fahrgastzahlen verweisen. Inzwischen nutzen allein in Nürnberg täglich 634.000 Fahrgäste die öffentlichen Verkehrsmittel der VAG.

Ziel der VAG ist es, Mobilität für alle zu bieten. Diesem Ziel ist sie über die Jahre schon sehr nahe gekommen und dafür im Jahr 2003 mit einem europäischen Preis ausgezeichnet worden. Niederflurfahrzeuge, behindertenfreundlich gestaltete Haltestellen, Fahrtreppen und Aufzüge sind Bausteine des Konzeptes. Der Nürnberger ÖPNV befindet sich in guter Tradition - auch die Straßenbahn hat hier Zukunft - und Innovationen gehen damit Hand in Hand.

Die seit 2004 im StWN-Konzern integrierte wbg Nürnberg GmbH erarbeitet immer wieder neue Wohnformen, die den sich wandelnden gesellschaftlichen Anforderungen gerecht werden. Aktuelle Beispiele sind das Modellprojekt „Wohnen in allen Lebensphasen“ am Nordostbahnhof oder das Modellprojekt Olga für selbstbestimmtes Wohnen im Alter. Die wbg ist Vorreiterin bei der energieeffizienten Gebäudesanierung. Projekte wie das 3-Liter-Haus am Jean-Paul-Platz, das Niedrigenergiehaus in der Bernadottestraße oder das Konzept für die geplante energetische Sanierung der Parkwohnanlage West wurden über die Grenzen Nürnbergs hinaus bekannt und mit Preisen ausgezeichnet. Außerdem leistet die wbg mit ihrer Photovoltaik-Initiative einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. In diesem Jahr gelang es dem Projekt, die 1.000 Kilowatt-Peak-Grenze zu überschreiten. Mit dieser Strommenge können über 270 Drei-Personen-Haushalte ein ganzes Jahr mit Strom aus Sonnenenergie versorgt werden. Zukunftsweisend ist auch die Entscheidung, die Immobilienkompetenz der Stadtwerke bei der Real Estate Tochter wbg anzusiedeln; dadurch wird die Betreuung aller Stadtwerke-Immobilien in einer Hand konzentriert.

Der Nürnberger Energie- und Wasserversorger EWAG hielt in den 1950er Jahren als einziges Stadtwerk in Deutschland Aktien an einer Kohlezeche, um die Erzeugung von Stadtgas sicherzustellen. Die sukzessive Umstellung von Stadt- auf Erdgas schloss die EWAG 1975 ab und leistete damit bereits einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Auch ihr konsequenter Fernwärmeausbau trug zur Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes bei – vor allem seit der Umrüstung des Heizkraftwerks Sandreuth von Kohle- auf Erdgasbefeuerung. Diese 2005 abgeschlossene 90-Millionen-Investition verdoppelte bei fast gleichem Energieeinsatz die Stromproduktion und reduzierte die CO2-Emissionen um jährlich 140.000 Tonnen. Ein Viertel des Wärmebedarfs der Stadt Nürnberg wird heute mit Fernwärme gedeckt; diese weist die höchstmögliche Energieeffizienz aus.    
Mit der Gründung des Zweckverbands Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum (WFW) im Jahre 1966 unternahm die EWAG gemeinsam mit vielen Partnern in der Region den entscheidenden Schritt, um die Trinkwasserversorgung Nürnbergs auf Dauer zu gewährleisten.

Ein maßgebender Schritt zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit im Wettbewerbsmarkt war der Zusammenschluss von EWAG mit dem Fränkisches Überlandwerk AG (FÜW) zur N-ERGIE Aktiengesellschaft im März 2000. Heute zählt die
N-ERGIE zu den zehn größten Stromversorgern in Deutschland und ist trotz intensivem Wettbewerb bundesweit erfolgreich: 2008 setzte sie bereits 41 Prozent der Stromabgabe außerhalb des Netzgebietes ab. Mit ihrer Beteiligung am Kauf der Thüga AG im Oktober 2009 nahm sie eine weitere Weichenstellung in Richtung Zukunftssicherung vor und trägt mit dazu bei, dieses erfolgreiche Netzwerk aus kommunalen Energieunternehmen zu erhalten und auszubauen.

Mit im vergangenen Jahr rund 4.550 Beschäftigten und einem Umsatz von annähernd zwei Milliarden Euro ist der StWN-Konzern einer der großen Arbeitgeber in Mittelfranken. Die wirtschaftlichen Effekte der StWN-Töchter gehen über die in den Bilanzen veröffentlichten Zahlen jedoch weit hinaus. Dies bestätigten die von der N-ERGIE 2005 und von der VAG 2008 in Auftrag gegebenen Regionalstudien. Sie ermittelten, dass die VAG zur Sicherung von 6.700 Arbeitsplätzen beiträgt, davon 4.300 in der Region. Bei der N-ERGIE sind es allein in der Region rund 4.800 Arbeitsplätze und insgesamt in Deutschland 14.000.

N-ERGIE, VAG und wbg steigern ihre Effizienz und kooperieren eng, um Synergien zu nutzen. Damit ist es 2008 gelungen, im Vergleich zum Vorjahr den Zuschussbedarf für den StWN-Konzern um fast vier Millionen Euro auf 5,3 Millionen Euro zu senken.

„Eine hohe Versorgungssicherheit bei Energie und Wasser, hohe Qualität und hoher Sicherheitsstandard beim öffentlichen Nahverkehr sowie ein attraktives und energiebewusstes Wohnangebot bilden zentrale Wirtschaftsfaktoren für Nürnberg und die Region. Sie sichern Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze“, resümierte Herbert Dombrowsky beim Festakt und Ulrich Maly hob hervor: „Neben seiner Verpflichtung zur Daseinsvorsorge steht der StWN-Konzern für Flexibilität, Wirtschaftlichkeit und Innovation“.

In seinem Gastvortrag erläuterte der in Nürnberg geborene und an der Universität Bremen lehrende Professor Rudolf Hickel, wie „Wirtschafts- und Unternehmenspolitik heute für die Zukunft“ aussehen kann. Dabei stellte er die Rückbesinnung auf eine Wirtschaft „jenseits des Marktfundamentalismus“ in den Mittelpunkt seiner Überlegungen.